Das Programm der Spielzeit 2016.2017 des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden

In der dritten Saison 2016.2017 unter der Intendanz Uwe Eric Laufenbergs erwarten das Publikum in der Opernsparte zehn Neuinszenierungen und sieben Wiederaufnahmen. Das Schauspiel bietet vier Uraufführungen, eine Deutschsprachige Erstaufführung, weitere zehn Premieren und acht Wiederaufnahmen. Das Hessische Staatsballett wird fünf neue Ballettabende zeigen, von denen vier Uraufführungen sind und eine Wiederaufnahme. Im JUST werden eine Uraufführung, sechs weitere Premieren und fünf Wiederaufnahmen für Kinder und Jugendliche geboten. Darüber hinaus ist das Junge Staatsmusical mit drei Premieren und zwei Wiederaufnahmen im Programm vertreten. Neben acht Sinfoniekonzerten und sieben Kammerkonzerten ist das Hessische Staats-orchester bei Sonderkonzerten, dem Neujahrskonzert und zahlreichen Kinder- und Familienkonzerten zu erleben.

Den Spielzeitauftakt bildet die erste Ausgabe der Wiesbaden Biennale vom 25. August bis 4. September 2016 mit dem Titel »This is not Europe«. Das gesamte Programm des Festivals wird am 22. April veröffentlicht.

Oper
In der Spielzeit 2016.2017 wird Wiesbaden zur Wagner-Stadt. Die neue Spielzeit bietet eine echte Herausforderung: Von November bis April wird in einem einzigen Wiesbadener Wagner-Winter das Weltengebäude der ganzen »Ring«-Tetralogie zu errichten sein. Während der Internationalen Maifestspiele 2017 krönen dazu zwei komplette zyklische Aufführungen die »Ring«-Saison. Sowohl neue als auch erfahrene internationale Wagner-Stimmen zeichnen die Wiesbadener Tetralogie aus. Das Inszenierungsteam wird angeführt von Uwe Eric Laufenberg, der zu den Festspielen 2016 sein Bayreuth-Debüt als »Parsifal«-Regisseur gibt. Die Musikalische Leitung übernimmt der britisch-wienerische Dirigent Alexander Joel.

Eröffnet wird die Saison 2016.2017 mit Operette vom Feinsten: »Die Fledermaus« wird von Gabriele Rech inszeniert, Michael Helmrath gibt den Melodien den Walzerschwung, das Bühnen-bild entwirft Dieter Richter. Und Heute-Show-Politikerschreck Lutz van der Horst wird als Gefängniswärter Frosch diesmal das Operettenpersonal interviewen.

Mit »Die Zauberflöte« setzt Konrad Junghänel seinen Wiesbadener Mozart-Zyklus fort. Operalia-Gewinner Ioan Hotea, frisch nominiert für den London Opera Award, singt seinen ersten Tamino, Katharina Konradi als Pamina ihre erste große Mozart-Bühnenrolle. Regisseur Carsten Kochan wird mit seinem Ausstatterteam Matthias Schaller und Susanne Füller das aufklärerische Cross-over-Singspiel in Szene setzen.

Mit »Peter Grimes« kommt nach den geheimnisvollen Geschehnissen in »The Turn of the Screw« ein zweites Meisterwerk von Benjamin Britten in den Spielplan. Der spektakulär schwebende Bühnenraum von Rolf Glittenberg macht die empfindliche Balance von öffentlicher Wahrnehmung und subjektiver Wahrheit in einer Gesellschaft sichtbar, in der Lance Ryan in der Titelpartie Täter wie Opfer ist. Regie führt der Wiener Philipp M. Krenn, Albert Horne übernimmt die Musikalische Leitung.

Tschaikowskis »Eugen Onegin« wird vom russischen Regisseur Vasily Barkhatov (»Die Soldaten«) zusammen mit Daniela Musca als Dirigentin für Wiesbaden neu erarbeitet. Christopher Bolduc singt erstmals die Titelpartie. Die geheime Heldin der Oper, Tatjana, übernimmt Asmik Grigorian, die, ebenfalls bei den Londoner »Opern Oscars« nominiert, in dieser Partie kürzlich in Berlin große Aufmerksamkeit erregte.

Auch wenn Oper kein Museum sein will, sucht sie doch die Berührung mit den Bildern der Vergangenheit. Anlass für die Ausgrabung der hoch-dramatischen Drei-Personen-Barockoper »La Giuditta« von Alessandro Scarlatti ist neben der Fortsetzung unserer Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik Mainz die Sonderausstellung »Caravaggios Erben« im Museum Wiesbaden.

In ihrer dritten Saison hat sich die Opernsparte des Hessischen Staatstheaters zudem eine Galerie an eigenen Wiederaufnahmen erspielt, die, teils in der Premierenbesetzung, teils mit neuen Sängern, den Spielplan bereichern.

Gastspielaufführungen aus Darmstadt mit »Carmen« werden im Austausch mit »Eugen Onegin« die erfolgreiche künstlerische Kooperation beider Staatstheater fortsetzen.

Hessisches Staatsballett
Dem Hessischen Staatsballett stehen in der dritten Saison einige wichtige Choreografinnen und Choreografen der internationalen Tanzwelt zur Seite. Wayne McGregor betrachtet menschliche Beziehungen unter der Oberfläche und blickt gleichermaßen nach innen und außen. Sein »Infra« wird gemeinsam mit einer Uraufführung von Ballettdirektor Tim Plegge und Alexander Ekmans beliebtem »Left Right Left Right« die erste Ballettpremiere der Saison feiern.

»Dreaming is good for you« ist Plegges Motto für sein Ballett »Sommernachtstraum«, das einen anarchischen Blick auf die Gesellschaft und einen bezaubernden Blick in die Untiefen unsererTraumwelten wirft. Er behandelt damit, nach »Aschenputtel«, das bereits in die dritte Spielzeit übernommen wird, und »Kaspar Hauser«, erneut einen Klassiker.

Es folgt ein Doppelabend, für den der Israeli Itamar Serussi eigens für das Ensemble eine Neu-kreation beisteuern wird.

»Transparent Cloud«, ein Stück für junges Publikum von Marguerite Donlon, das während der letzten Spielzeit in Darmstadt für ein ständig ausverkauftes Haus sorgte, feiert nun Premiere in Wiesbaden.

Mit dem neuen Format »Startbahn 2017« ermöglicht das Hessische Staatsballett Tänzerinnen und Tänzern eigene choreografische Erprobung und fordert sie auf, ein Konzept zu entwickeln, das Tanz außerhalb bekannter Sehgewohnheiten zeigt und erfahrbar macht.

Im Rahmen von »Das Hessische Staatsballett lädt ein« wurden in der Vergangenheit unter-schiedlichste Residenzarbeiten und Gastspiele präsentiert. Der Fokus liegt in dieser Saison auf Produktionen und Choreografinnen und Choreografen, die sich durch soziales Engagement auszeichnen und mitunter auch provozieren und unbequem werden.

Die Kooperation mit dem Mousonturm, der Tanzplattform Rhein-Main, nimmt konkrete Formen an und bringt neue spannende Formate in die Region, wie etwa regelmäßig stattfindende Tanz-Klubs als Fortführung von »Odyssee_21« und ein Tanz-Festival im November 2016.

Schauspiel
In der neuen Spielzeit wird die Sparte Schauspiel Fragen nach Sinnsuche, Ideologiebildung und Bedingungen gesellschaftlichen Zusammenlebens nachgehen.

Persönliche Moral im Konflikt mit rechtsstaatlichen Prinzipien untersucht Ferdinand von Schirachs »Terror«. Bedingungslose Hingabe oder radikale Austauschbarkeit in Liebesbeziehungen thematisieren Kleists »Käthchen von Heilbronn« und Schnitzlers »Reigen«. Basierend auf Heinrich Hoffmanns »Struwwelpeter« deckt »Shockheaded Peter« komödiantisch-schrill die schwarzpädagogische Ursuppe unserer Erziehung auf, während Bov Bjerg in seinem Erfolgsroman »Auerhaus« eine Gruppe junger Menschen herzzerreißend unsentimental auf die Suche nach dem Sinn ihres Lebens schickt.

Die Verquickung von Religion, Politik, Freiheit und persönlichsten Empfindungen ist ein wesentlicher Gedankenfaden der kommenden Spielzeit. Angesichts des Näherrückens einer gewalttätigen und von Fanatismus geprägten Realität ein bedrückend aktuelles Thema. In höchst unterschiedlichen Ausprägungen begegnen wir ihm in den niederländisch (-protestantischen) Freiheitskämpfen gegen die spanisch (-katholische) Herrschaft sowohl in Goethes »Egmont!« als auch in Schillers »Don Karlos«, aber auch am israelisch-palästinensischen Dauerkrisenherd: Amos Oz’ aktueller Roman »Judas« beleuchtet die Staatsgründung Israels und verknüpft die politische Dimension des Konflikts mit einer ungewöhnlichen Liebesgeschichte und zugleich mit einer religionsgeschichtlichen Reflexion. Thomas Jonigks »Das Neue Testament (at)« schließlich versucht herauszufinden, welche Gültigkeit christliche Prinzipien in unserer konfliktgeladenen Gegenwart noch (oder gerade wieder?) haben.

Wie wollen wir leben – und warum so?

JUST
20 Jahre JUST (September 1996 – September 2016)
Das Junge Staatstheater Wiesbaden geht in seine 21. Spielzeit. Seit September 1996 ist in der Schauspielsparte für junges Publikum viel passiert: Insgesamt 106 Produktionen waren von »Glückspeters Reise« bis »Mio, mein Mio« zu erleben. In 2.898 Vorstellungen* fanden in allen Spielstätten und Winkeln des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden statt. Geschichten von 94 Autorinnen und Autoren, von Andersson über Ende bis Zadow wurden für 1.138.131 Zuschauerinnen und Zuschauer* von 1 bis 99 Jahren erzählt.

Auch in der Jubiläums-Spielzeit widmet sich das JUST den Themen, die bewegen, berühren, Augen, Ohr und Kopf ansprechen und das Herz weit machen. Verstärkt durch die beiden vor zwei Jahren hinzugekommen Sparten »Junges Staatsmusical« und »Theaterwerkstatt« bleibt es auch in Zukunft hochaktuell (»Jihad Baby!«), hoch- und tiefbegabt (»Rico, Oskar und das Herzgebreche«), interaktiv (»Theaterwerkstatt«), gruselig (»The Addams Family« als Musical), philosophisch (»Der kleine Prinz«), mystisch (»Lohengrin: Unterwegs mit Schwan!«) und vieles mehr.

»Der Zauberer von Oz« ist die diesjährige Weihnachtsproduktion.

*Zuschauerstatistik bis zum 29. Februar 2016

Hessisches Staatsorchester Wiesbaden
Am Pult des Hessischen Staatsorchesters Wiesbaden werden Dirigenten stehen, mit denen aktuell in Konzert und Oper eine prägende und bereichernde Zusammenarbeit besteht: Zsolt Hamar, Generalmusikdirektor des Hessischen Staatstheaters von 2012 bis 2016, wird drei Konzerte gestalten und bleibt somit als Konzertdirigent dem Haus verbunden. Er widmet das 1. Sinfoniekonzert dem 80. Geburtstag des Wiesbadeners Hans Zender und setzt mit der 4. Sinfonie seinen Brahms-Zyklus fort. Mit dem Verdi-Requiem bringt er im traditionellen Chorkonzert ein Saison-Highlight ins Kurhaus. Im 5. Sinfoniekonzert folgt ein spätromantisches Konzertprogramm mit »Faust«-Vertonungen sowie dem Klavierkonzert von Clara Schumann (Solistin: Annika Treutler).

Vier weitere Dirigenten wechseln aus dem Graben im Opernhaus für je ein Sinfoniekonzert auf das Podium im Kurhaus: Mozart-Spezialist Konrad Junghänel mit einem Barock- und Frühklassik-Programm aus Werken von Mozart, Telemann, Händel und zwei Bach-Generationen; Michael Helmrath (Musikalische Leitung bei »Hänsel und Gretel« 2015, »Die Fledermaus« 2016) dirigiert Bruckners Meisterwerk, die 8. Sinfonie; Chordirektor Albert Horne (am Pult bei »Candide« 2014, »Madama Butterfly« 2016, »Peter Grimes« 2017) setzt mit einem Programm zum »Romeo und Julia«-Stoff besondere Akzente; Alexander Joel wird neben seinem Engagement für Wagners monumentale »Ring«-Tetralogie ein Konzert mit Dmitri Schostakowitschs 10. Sinfonie geben.

Das Hessische Staatsorchester Wiesbaden vereint in einem Klangkörper über 80 individuelle Ausnahmemusiker. Zwei von ihnen, 1. Solo-Klarinettist Heiner Rekeszus und 1. Solo-Bratschist Thomas Hoffmann, geben mit dem hinreißend-romantischen Konzert für Klarinette, Viola und Orchester von Max Bruch eine Kostprobe ihres Könnens als Solisten. Geleitet wird dieses Konzert, das als Kernstück Mahlers 1. Sinfonie bringt, von Patrick Lange, dem 2015 ein dynamisches »Holländer«-Debüt in Wiesbaden gelang.

Internationale Maifestspiele 2017
Die Internationalen Maifestspiele 2017 stehen ganz im Zeichen des »Ring des Nibelungen«: Wagners vierteiliges Hauptwerk wird, besetzt mit internationalen Starsängerinnen und -sängern, in zwei kompletten Zyklen zur Aufführung kommen. Für das Wagner-Konzert zur festlichen Eröffnung kehrt Catherine Foster gemeinsam mit Klaus Florian Vogt und René Pape zurück auf die Bühne des Großen Hauses. Mit weiteren Gala-Aufführungen der Opernproduktionen des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden sind Maria Bengtsson, Gerald Finley, Catherine Foster, Gerd Grochowski, Evelyn Herlitzius, Johannes Martin Kränzle, Hanna-Elisabeth Müller, Michael Nagy, Albert Pesendorfer und Andreas Schager zu erleben.

Der Vorverkauf für einige Veranstaltungen der Internationalen Maifestspiele 2017 beginnt bereits am 13. April 2016. Karten für alle Vorstellungen sind ab Februar 2017 erhältlich.

Weitere Informationen finden Sie unter www.staatstheater-wiesbaden.de

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