Ertrinken ist bei Kindern zweithäufigste unfallbedingte Todesursache

Aufsichtspflicht der Eltern darf nicht auf Geschwister oder den Bademeister übertragen werden.

(dgk) An heißen Tagen herrscht in Schwimmbädern und an Stränden ein unübersichtliches Getümmel. Für kleinere Kinder kann das Badevergnügen zur Gefahr werden, denn Ertrinken ist bei Kindern die zweithäufigste unfallbedingte Todesursache. Nur der Straßenverkehr fordert mehr Opfer.

Kinder überschätzen sich selbst und ihre Schwimmfähigkeit: „Ich kann schon schwimmen“, sagen sie stolz, sobald sie ein paar Schwimmzüge beherrschen. Kinder erkennen die Gefahren jedoch noch nicht. Gerade deshalb steht die Aufsichtspflicht der Eltern an erster Stelle und darf auch nicht auf ältere Geschwister oder Bademeister übertragen werden. Eltern können sich bei der Aufsicht abwechseln, damit sich jeder mal entspannen kann.

Auch das Seepferdchen-Abzeichen bedeutet noch nicht, dass Kinder zuverlässig schwimmen können. Andreas Paatz, stellvertretender Bundesleiter der Wasserwacht vom Deutschen Roten Kreuz: „Ein Trugschluss wäre zu glauben, dass das Seepferdchen oder Jugendschwimmabzeichen in Bronze Kinder zuverlässig vor dem Ertrinken schützen. Das tut es nicht.“

Binnengewässer sind am gefährlichsten
Im Jahr 2014 ertranken laut Deutscher Lebens-Rettungs-Gesellschaft e. V. (DLRG) in Deutschland 392 Personen, das waren 54 weniger als im Vorjahr. Über die Hälfte aller Todesfälle ereigneten sich in den Sommermonaten Juni, Juli und August.
78 Prozent aller Todesfälle ereigneten sich in Binnengewässern. Flüsse, Seen und Kanäle sind somit nach wie vor die gefährlichsten Badegebiete. Der Grund: Nur wenige dieser Gewässer werden von Rettungsschwimmern bewacht. Das Risiko, dort zu ertrinken, ist um ein Vielfaches höher als an den Küsten von Nord- und Ostsee oder in Schwimmbädern, die viel besser überwacht werden.
Darüber hinaus ertranken 14 Personen in Schwimmbädern und fünf Menschen in einem privaten Gartenteich oder Swimmingpool. Alle fünf Opfer waren kleine Kinder zwischen zwei und vier Jahren.

Jenseits der 50 steigt das Risiko
Besondere Vorsicht ist für eine weitere Altersklasse geboten. Laut DLRG steigt die Zahl der Todesfälle durch Ertrinken bei den Über-50-Jährigen seit Jahren kontinuierlich an: Etwa 53 Prozent der Ertrunkenen stammen aus dieser Altersklasse. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Mehr als die Hälfte der älteren Menschen können laut DLRG nur schlecht oder gar nicht schwimmen, da es in ihrer Kindheit und Jugend viel weniger Schwimmbäder gab als heute. Einige leiden unter nicht erkannten Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die sich bei der Anstrengung im Wasser bemerkbar machen können. Und andere wiederum überfordern sich schlichtweg durch einen falsch verstandenen Fitnessgedanken.

Männer häufiger betroffen
Männer sind nach wie vor deutlich stärker vom Ertrinken bedroht als Frauen. 20 Prozent der Opfer waren Frauen, 80 Prozent Männer. Leichtsinn und Übermut, das zeigen Berichte der DLRG-Rettungsschwimmer, spielen dabei eine Rolle, aber möglicherweise auch die Tatsache, dass Männer besonderen Spaß am Schwimmen haben.

Wer sich im kühlen Nass vergnügt, sollte nicht nur auf die eigene Sicherheit achten, sondern auch wachsam für eventuelle Nöte anderer Badegäste sein. Denn tödliche Unfälle ereignen sich auch inmitten des Trubels vieler Badegäste.

Quelle: Deutsches Grünes Kreuz e.V.

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